RUDI WILFER

 

Rudi Wilfer, 1936 in Salzburg geboren und in Wien aufgewachsen, zählt heute zu den bedeutendsten und profiliertesten österreichischen Musikern von internationalem Rang.
An der Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Wien studierte er zunächst Trompete und Klavier, gefolgt von Studien der Komposition und Satzlehre am Konservatorium der Stadt Wien. Bei aller Vielseitigkeit sollte das Klavier schließlich sein Hauptinstrument werden.
In den Ensembles von Uzzi Förster, Fatty George, Erich Kleinschuster, Clifford Jordan, Friedrich Gulda, aber auch mit eigenen Gruppen hat Rudi Wilfer Jazzgeschichte geschrieben.
Mit Friedrich Gulda verband ihn sowohl künstlerisch als auch menschlich eine lebenslange Freundschaft.
Rudi Wilfer begann seine Musikerkarriere im Wien der fünfziger Jahre in Europas Jazzband Nummer eins des berühmten Klarinettisten Fatty George als Nachfolger des Pianisten Joe Zawinul, als dieser nach New York ging, um seine Karriere in den USA aufzubauen.
„Fatty´s Saloon” galt damals als schönster Jazzclub der Welt (Duke Ellington sagte: „I´ve never seen a club like this in the whole world.”) Hier ergaben sich für Rudi Wilfer Chancen, viele amerikanische Weltstars, die in Wien gastierten, nicht nur kennen zu lernen, sondern auch mit ihnen zusammen zu arbeiten: Quincy Jones, Duke Ellington, Count Basie, Luis Armstrong, Art Blakey, Stan Getz, Jimmy Heath, Ella Fitzgerald, Lionel Hampton und einige mehr gaben Rudi Wilfer wesentliche Impulse für seine musikalische Entwicklung.
In den sechziger Jahren folgte die Gründung des legendären „Rudi Wilfer Trios“: Es entstanden zahlreiche Plattenproduktionen, darunter viele Eigenkompositionen, mit dem österreichischem Rundfunk, welche auch häufig im noch jungen Programm von Ö3 gespielt wurden.
Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählte einerseits Rudi Wilfers Mitgliedschaft in dem Leo Wright und Carmell Jones Quintett in Berlin im Jahre 1970, als auch seine Tätigkeit als begehrter Begleiter internationaler Jazzgrößen wie Slide Hampton (Posaune), Billy Mitchel (Tenorsaxophon), Harold Jones (Schlagzeug), Art Farmer (Trompete) und anderen. Auch Oliver Nelson (Arrangeur und Saxophonist) holte Rudi Wilfer in seine „Berlin Dream Band“.
Die Zusammenarbeit mit diesen afro-amerikanischen Musikern bezeichnet Rudi Wilfer selbst als eines seiner größten Musikerlebnisse.
Im Jahr 1973 gewann Rudi Wilfer den ersten Preis beim internationalen Jazzthemenwettbewerb „Concours international de composition de theme de jazz“ von Monaco mit der seinem Freund Joe Zawinul gewidmeten Komposition „For Joe“.

Dieser Preis machte endlich auch die internationale Jazzszene auf Rudi Wilfer aufmerksam. Es folgten weitere Radio- und TV Produktionen und zahlreiche, erfolgreiche, internationale Tourneen mit arrivierten US – Jazzgrößen wie beispielsweise den Tenorsaxophonisten Bud Freeman und Eddie "Lockjaw" Davis.
Sein erster Aufenthalt in den vereinigten Staaten von Amerika 1979 war geprägt vom Zusammentreffen mit dem Pianisten Bill Evans, zeitlebens ein großes Idol von Rudi Wilfer.
1981 trat Rudi Wilfer mit seiner ersten großen, sakralen Komposition an die Öffentlichkeit, der „Sankt Michaeler Messe“, die unter der Leitung von Erwin Ortner mit dem Arnold Schönberg Chor und dem Rundfunkorchester in der Wiener Don Bosco Kirche uraufgeführt wurde.
1982 folgte die Uraufführung des Orgelkonzertes „Tropfsteine“ in St. Augustin in Wien.
Im gleichen Jahr wurde Rudi Wilfer Professor für Jazzpiano und Improvisation am Konservatorium der Stadt Wien und beeinflusste damit eine ganze Generation junger Musiker.
Im Jahr 1983 wurde seine Komposition „Für den Frieden singen“ im Salzburger
Festspielhaus uraufgeführt. Ein Jahr später, 1984, begann er mit der Komposition, der Oper „Christian“.
Rudi Wilfer konzertierte häufig mit den Spitzensolisten der österreichischen Szene wie dem amerikanischen Trompeter Lee Harper, den Gitarristen Harry Stojka und Karl Ratzer, dem ungarischen Bassvirtuosen Aladár Pege und dem Saxophonisten Karl Drewo, mit denen er auch zahlreiche Alben einspielte.
Die Uraufführung eines weiteren großen Werkes, der „Lungauer Blues Messe“, leitete Rudi Wilfer beim 3. Salzburger Jazzherbst 1998 in der Kollegienkirche selbst.
Für seine Verdienste um die Kunst wurde er am 17. September 2001 mit dem Goldenen Verdienstkreuz des Landes Salzburg geehrt.
In der Szene gilt Rudi Wilfer seit Jahren gleichermaßen als Enfant terrible, Individualist, Einzelgänger und vor allem swingender Virtuose, der sich aber als Solist auch gern der Klassik zuwendet, jedoch nie, ohne seine musikalischen Wurzeln im Jazz zu vergessen.
2007 spielte Rudi Wilfer seine CD „Allein“ ein.
Im Jahr 2008 wurde er mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.
Anlässlich des Todes von Freund Joe Zawinul komponierte Wilfer diesem zu Ehren das „Requiem für Joe Zawinul“, das 2009 uraufgeführt wurde.
Seit dieser Zeit konzentrierte sich Rudi Wilfer auf die Zusammenarbeit mit seinem Sohn, dem Geiger Felix Wilfer, mit dem er bis zur Gegenwart viele Konzerte im In- und Ausland absolvierte. So auch 2010 in den USA. Für diese kammermusikalische Besetzung entstanden in den folgenden Jahren zahlreiche Kompositionen.
2013 wurde die CD „wilfer & wilfer live im Odeion“ eingespielt.
Seine vielseitige Kreativität als Künstler machte Rudi Wilfer zu einer Legende in seiner Generation, und auch zu einem Impulsgeber für die musikalisch aktive Jazzjugend.

 

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